Unglaublich aber wahr

Getreu diesem Motto einige Links zu Artikeln, deren Stories auch als Realsatire durchgehen könnten.

weiterlesen

 

 

 

Kommentare

Günther Jauch, Claudia Roth und das Thema FIFA

Veröffentlicht von Chefe (chefe) am 01.06.2015
Kommentare | Zeitgeschehen | Meinungen >> DE

Noch einmal Fifa, noch einmal die gesamte Empörungsmaschine: Die heiklen Punkte sparte Günther Jauch in seiner TV-Runde lieber aus - dass zum Beispiel ARD und ZDF fast eine halbe Milliarde Euro für die WMs in Russland und Katar ausgeben.

 

Ich habe mir - zufällig - gestern abend die "Talksshow" mit Günther Jauch zum Thema FIFA angeschaut.

Als mein Blick auf Frau Roth fiel, wollte ich spontan umschalten, habe mich aber dann doch entschlossen, der Sendung beizuwohnen.

 

Ich bin wahrlich kein Freund - oder Feind - der FIFA, aber irgendjemand muss bei Internationalen Spielen ja die Organisation vornehmen und auch für alle gültige Regeln festlegen und enstprechend überwachen.

So verstehe ich die FIFA vermutlich als das was sie ist:

ein Zusammenschluss kontinentaler bzw nationaler Verbände, die unter dem gemeinsamen Regelwerk der FIFA Fußballspiele und Meisterschaften austragen.

Ich finde es auch überhaupt nicht verwerflich, dass so eine Organisation als gemeinnütziger Verein organisiert ist, wenn er entsprechend den Regularien für derartige juristische Personen handelt und auch behandelt wird. Über die Geminnützigkeit entscheidet ja nicht die FIFA selbst sondern staatliche Organisationen, in diesem Fall vermutlich die schweizer Steuerbehörde aufgrund des Sitzes der FIFA in der Schweiz.

Über den Arbeitsumfang kann ich mir auch nicht wirklich ein Bild machen, aber finde ich knapp über 400 Angestellte jetzt auch nicht masslos übertrieben.

So weit meine persönliche Einschätzung, aber ich bin kein "Experte".

 

Was allerdings Frau Roth zum "Experten" in Sachen Fußball macht, hat sich mir auch nicht erschlossen.

Ich fand ihren Auftritt allerdings in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert.

Insbesondere ihre Aussage zur Wahl von Herrn Blatter, die sinngemäss darauf abzielte, dass die UEFA und insbesondere der DFB in Person von Herrn Niersbach sich der Abstimmung hätten fernhalten sollen und damit die Wahl Blatters nicht demokratisch legitimieren sollen, fand ich mehr als abstrus.

Diesem Gedanken folgend wäre jede Wahl, insbesondere auch Landtags- und Bundestagswahlen dann nicht demokratisch legitimiert, wenn nicht alle wählen gehen.

Weiss die Frau eigentlich was sie da so redet?

Vor dem Hintergrund der letzten Landtagswahl in Bremen sind das ja geradezu revolutionäre Aussagen. Es gibt sicher viele Menschen, mich eingeschlossen, die Frau Roth in diesem Punkt recht geben, aber das hat sie sicher nicht gewollt. Zumindest habe ich noch von keiner Eingabe der Grünen gelesen, das Wahlrecht in dieser Hinsicht in Deutschland zu ändern.

 

Ebenso war ihre Kritik an der Organisation der FIFA selbst hanebüchen.

Man kann von den Statuten und der Organisation persönlich halten was man will. Aber jedem Verband eine Stimme zu geben - und zwar unabhängig von der Mitgliederzahl - mag man angesichts der Mitgliederverteilung für falsch halten, aber sicher nicht für undemokratisch. Besonders weil es eine Anzahl von Organisationen weltweit gibt, die ähnlich organisiert sind, unter anderm die UN.

Aber vielleicht stellt Deutschland - auf Initiative der Grünen - demnächst dort einen Antrag, die Stimmen der Nationen nach Einwohneranzahl zu gewichten. Ich bin mal gespannt, was die Freunde aus den USA dann davon halten...

 

Soviel zu Frau Roth, die vermutlich in keinem Gebiet als Expertin anzusehen ist, ausser vielleicht im "betroffen sein". Aber das mag inzwischen auch wohl niemand mehr hören. Zumindest hat sich aus diesem Verhalten meines Wissens bisher keine positive Änderung für irgend jemanden ergeben.

 

Ansonsten gab es in dieser Sendung keine neuen Erkenntnisse hinsichtlich der FIFA. Allerdings finde ich, dass der von der deutschen Presse "heruntergeschriebene" Vertreter der FIFA sich sehr sachlich und ruhig und vor allem inhaltlich richtig zu den Fragen und Themen geäußert hat.

 

Zwei weitere Dinge fand ich in dieser Sendung noch bemerkenswert.

Zum einen, dass der "investigative" Journalist der ARD vorgetragen hat, welche bevorzugte Rolle seine Sendeanstalt bei der "Aufdeckung" der Zustände für die Arbeiter in Katar gespielt hat. Allerdings liess er unerwähnt, dass die Bedingungen für die Arbeiter seit langer Zeit - auch ohne Baustellen für die WM - systematisch in dieser Region der Welt geschaffen und erhalten werden.

Insofern war der Einwand des FIFA-Sprechers nicht von der Hand zu weisen, dass die ARD ohne die Vergabe der WM nach Katar vermutlich nicht von diesen Misständen berichtet hätte.

Ausserdem liess der ARD-Journalist unerwähnt, dass die ÖR Sendeanstalten der Republik die Senderechte für die WM 2018 und 2022 für mehr als 400 Millionen EUR von der FIFA erstanden hatten und - zumndest meines Wissens - daran keine Bedingungen für die Verbesserung der Situation der Arbeiter vor Ort geknüpft war.

 

Zum anderen ist mir aufgefallen, dass insbesondere die Beiträge von Frau Roth mit Applaus bedacht wurden. Allerdings immer mit etwas Zeitverzögerung. Daher stellte sich mir die Frage, ob die Regie den Beifall immer etwas zu spät zugemischt hat oder ob die "Applaus-Schilder" , die die Zuschauer zum Beifall animieren sollen,  zu spät eingeschaltet wurden...

 

Insgesamt eine überflüssige Sendung, da es überhaupt nicht um Lösungsansätze für die sicherlich vorhandene Korruptionsproblematik nicht nur bei der FIFA ging.

 

Mir stellt sich z.B auch die Frage, warum nur diejenigen verfolgt und bestraft werden sollen, die Gelder annehmen. Von denen, die sie anbieten hört man eher weniger und von rechtlichen Folgen für Bestechung oder -versuche noch weniger.

 

Eine Bemerkung noch in Richtung deutscher Politik und Frau Roth: meines Wissens ist es immer noch legal in Deutschland, Abgeordnete zu bestechen. Ob das allerdings auch für Vizepräsidenten des Bundestages gilt ist mir nicht bekannt.

 

 

Zuletzt geändert am: 01.06.2015 um 10:48

Zurück